/Tech Gefährliche Blüten

Mit jedem Klick hinterlassen wir Spuren im Internet. Bunte Datenblumen machen diese sichtbar und zeigen dir, wer deinen Weg durchs Netz mittrackt.

Wie funktioniert das Tool?

Ganz einfach: Gib eine beliebige URL in das Suchfenster ein und klicke auf „Datenblume erstellen“. Jetzt wird die Seite analysiert, das kann einen kleinen Moment dauern. Wenn die Analyse abgeschlossen ist, siehst du die Datenblume für die gewählte Website und kannst so herausfinden, wer Informationen über deinen Besuch auf dieser Website sammelt.

Wie sollte meine Blume am besten aussehen?

Generell gilt: Je kleiner die Blume, desto besser. Fakt ist: jede Seite braucht eine HTML-Datei und die meisten arbeiten mit Styles, Bildern und Javascript. Alle Dateien, die im Haupt-URL-Kreis liegen, werden an den Server der Website selbst gesendet. Anders sieht das bei den Kreisen aus, die außerhalb der Haupt-URL liegen: Sie gehören zu Drittanbietern, die Daten über uns sammeln und so Profile anlegen.

Was bedeutet das für mich?

Alle Dateien, die innerhalb des Haupt-URL-Rings liegen, werden von der Website selbst erstellt. Außerhalb des Haupt-URL-Rings sind jedoch bei den meisten Websites weitere Kreise zu sehen. Dies sind Tracking-Dateien von Drittanbietern, die Nutzern über mehrere Seiten hinweg folgen und so ein Profil über sie erstellen.

Tracking wird etwa von Werbenetzwerken wie Adtech oder Rubicon Project genutzt, die Anzeigen auf die Website bringen. Oft werden Anzeigen heute im Rahmen von Versteigerungen verkauft. Das geht in Sekundenbruchteilen. In der Zeit, in der sich eine Website aufbaut, werden die gesammelten Informationen über einen Nutzer – etwa Standort, Geschlecht, Interessen und vermutetes Einkommen – an einer Börse gehandelt. Der Werbekunde, der dort am meisten für diesen speziellen Nutzer bietet, darf seine Werbung auf der Seite anzeigen. Und weil es viele Werbenetzwerke sind, die parallel auf Anzeigen bieten, ist auch die Zahl der Tracker meist groß.

Tracking wird auch von Analysetools wie Google Analytics oder Chartbeat genutzt, die auswerten, wer eine Seite besucht, woher dieser Nutzer kommt und auf welche Seite er als nächstes klickt. Dabei geht es um Informationen wie Standort, Betriebssystem und Browser, aber auch, über welchen Link ein Nutzer auf eine Seite gekommen ist und wie er die Seite nach welcher Zeitspanne wieder verlässt. Diese Informationen sind für Websitebetreiber wichtig, um zu sehen, welches Publikum sie ansprechen und wie dieses Publikum die eigene Seite nutzt.

Auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram nutzen Tracking, um das Nutzerprofil zu erweitern. Die kleinen Like- oder Tweet-Buttons, die heute auf fast jeder Website zu finden sind, sind solche Tracker. Sobald ein Nutzer in einem sozialen Netzwerk eingeloggt ist und mit demselben Gerät andere Websites besucht, die kleine blaue Daumen oder türkisfarbene Vögel eingebaut haben, bekommen die amerikanischen Internetriesen das mit – und damit potentiell auch die NSA.

Was bedeuten all die Kreise und Farben?

Die Datenblume, die du jetzt siehst, ist ein Muster aus verschiedenen großen farbigen Kreisen. Jede Farbe steht für einen anderen Typ von Datei. Je größer ein Kreis, desto größer ist die dahinterliegende Datei. Ein Klick auf den Kreis zeigt weitere Informationen an, nämlich die URL (oder im Falle eines Bildes das Bild selbst), das Dateiformat, die Größe der Datei und die Ladezeit.

Die Hauptdomain wird als großer violetter Ring angezeigt. Er bildet die Grenze zwischen den Inhalten, die auf dem Server der Website liegen, und den Daten, die an Drittanbieter gehen. Meist besteht die Hauptdomain nicht nur aus einem einzelnen Ring. So leitet spiegel.de genauso zur Website von Spiegel Online wie www.spiegel.de und wer magazin.spiegel.de eingibt, wird direkt zur Unterseite des gedruckten Heftes geführt. Diese Strukturierung kann man sich ungefähr so vorstellen wie eine Zwiebel: Der innerste Ring der Haupt-URL ist die HTML-Datei für http://www.spiegel.de. Sie ist Teil von www.spiegel.de, das umgeben ist vom Ring namens spiegel.de, in dem magazin.spiegel.de als Unterkategorie auftaucht.

Die grünen HTML-Dateien sind das Herz jeder Website und der Mittelpunkt der Haupt-URL. HTML steht für Hypertext Markup Language und ist die Programmiersprache, mit der die Struktur einer Seite gebaut wird. Hier wird festgelegt, wie Informationen gegliedert werden und wie Dokumente mittels Links miteinander verknüpft werden.

Die gelben Styles-Kreise stehen für Elemente, die das Aussehen einer Seite bestimmen. Meist sind dies Font- oder CSS-Dateien. Fonts sind die Schriftarten, die auf einer Website eingesetzt werden. CSS steht für Cascading Style Sheets und ist eine Programmiersprache, mit der HTML-Seiten gestaltet werden können. CSS-Dateien sind etwa dazu da, Farben, Schriftgrößen oder Tabellen auf Websites zu formatieren und die Positionierung von Elementen festzulegen.

Bilder werden blau angezeigt. Sobald ein Bild – und mag es noch so winzig sein – auf der Website eingebettet wird, bekommt es einen blauen Kreis. Mit einem Klick auf den Kreis kannst du das Bild selbst sehen.

Die roten Kreise stehen für Javascript-Dateien. Javascript ist eine Programmiersprache, die ursprünglich entwickelt wurde, um HTML und CSS zu ergänzen. Im Gegensatz zu HTML ist sie nicht statisch, sondern dynamisch. Mit ihr ist es deshalb möglich, Animationen anzuzeigen, Formulare auszufüllen, Seiten automatisch nachzuladen oder Skripte, also kleine Programme, einzubetten. Javascript wird nicht auf dem Server ausgeführt, sondern im Browser, also direkt beim Nutzer. Das ist auch der Grund, warum diese Dateien oft von Drittfirmen verwendet werden, etwa von Werbenetzwerken oder Analysetools.

Sollte eine graue Datei in deiner Blume auftauchen, gehört diese nicht zu einem der vier Dateitypen. Das können etwa JSON-Dateien sein, also Dateien, die einer anderen Programmiersprache angehören. Beim Klick auf diese grauen Kreise erfährst du aber natürlich dieselben Informationen wie bei allen anderen auch.